Wo liegen die energetischen Schwachstellen eines Hauses? Gemeinsam mit den Experten der E.ON Thüringer Energie hat sich Energiespar-Familie Kuhaupt ihr eigenes Haus ein bisschen genauer angeschaut - und ist fündig geworden.
Die umweltfreundlichste und vor allem kostengünstigste Energie ist immer noch die, die gar nicht erst verbraucht wird. Aufgrund fehlender Dämmung und undichter Stellen an Türen und Fenstern werden jedoch pro Jahr Millionen von Kilowattstunden in Deutschland unnötig verheizt. Die Thüringer Energiespar-Familie Kuhaupt aus Tröbsdorf hat sich gemeinsam mit den Experten der E.ON Thüringer Energie auf die Suche gemacht, diese energetischen Schwachstellen ihres Hauses ausfindig zu machen. Anhand einer Thermografie und eines Blower-Door-Tests erkennen sie, an welchen Stellen an der Außenhülle Wärme verloren geht.
Über Wärmeverluste im Bilde
Sechs Uhr morgens, Weimar-Tröbsdorf. Familie Kuhaupt ist früh auf den Beinen, auch die Kinder sind neugierig. Alle wollen bei der Foto-Aktion der besonderen Art dabei sein. Thermografische Aufnahmen sind Wärmebilder. Aufgrund der noch niedrigen Temperaturen ist der frühe Morgen ein günstiger Zeitpunkt. Denn je größer der Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen, umso aussagekräftiger werden die Bilder. Eine spezielle Kamera zeichnet dabei die Oberflächentemperatur des Gebäudes auf. Lutz Weidner ist Bau-Thermograf. Er positioniert seine Kamera einige Meter entfernt vor dem Haus. Dunkelgrün erscheint es dann auf dem Display. Um die Fenster herum und im Kellerbereich kommt jedoch leuchtendes Rot zum Vorschein. "Rot sind die Stellen am Haus, an denen Wärme nach außen tritt", erklärt Lutz Weidner.
Gerade im Kellerbereich entstehen Wärmeverluste
Wie eine Röntgenaufnahme des menschlichen Körpers von einem Arzt beurteilt wird, wertet Bau-Experte Weidner die Thermografieaufnahmen aus. "Das Haus ist gut gedämmt, nur an manchen Stellen wurde das Dämmmaterial nicht sorgfältig angebracht. Gerade im Kellerbereich können dadurch erhebliche Wärmeverluste entstehen", erklärt er.
Ein Pelz fürs Haus
Die Kuhaupts nehmen ihren Energieverbrauch ernst. Seit dem Bezug ihres Hauses achten sie auf sparsamen Umgang mit Strom und Erdgas. 2003 ließen sie eine acht Zentimeter dicke Dämmschicht an ihr Haus anbringen, um Energieverluste zu vermeiden. "Dass das Dämmmaterial nicht fachgerecht angebracht wurde und der Putz besser hätte entfernt werden sollen, war uns nicht bewusst", berichtet Heinrich Kuhaupt.
Thermografie zur Vorsorge
Deshalb rät Fachmann Lutz Weidner, schon vor der Dämmung eines Hauses eine Thermografie durchzuführen. Dabei handelt es sich um ein gerichtlich anerkanntes Prüf- und Messverfahren, das sowohl vor einer geplanten Altbausanierung als auch beim Neubau zur Qualitätskontrolle interessant ist. "Wenn der Bauherr eine Thermografie ankündigt, dann arbeiten die Handwerker oft genauer", erklärt Weidner. Von allen Seiten nimmt er mit seiner Kamera das Haus der Kuhaupts ins Visier. Auch in den Innenräumen macht er Bilder, die Aufschluss über Energielecks bieten. Die wärmedurchlässigen Zonen werden hier rund um die Heizkörper sichtbar. Deshalb empfiehlt der Fachmann, hinter Heizkörpern immer besonders gut zu dämmen.
Im schlimmsten Fall: Schimmelpilz
Energetische Schwachstellen, auch Wärmebrücken genannt, sind jedoch nicht nur Energieverschwender. Vor allem in zu kühlen Zimmerecken kann es zudem zur Kondensation oder zum Niederschlag von Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft kommen. Im schlimmsten Fall entsteht gesundheitsschädlicher Schimmelpilz oder sogar der echte Hausschwamm.
Ohne Dämmung löst sich die Wärme in Luft auf
Claudia und Heinrich Kuhaupt haben schon viel Neues über den energetischen Zustand ihres Hauses erfahren. Mittlerweile ist es sieben Uhr und die Kinder machen sich für die Schule fertig. Die Energieberater sind mit ihrem Werk aber noch nicht am Ende. Dank der in Eigenregie durchgeführten Dämmung haben die Kuhaupts anderen Hausbesitzern in Deutschland einiges voraus. "Viele sind über die heute üblichen Baumaterialien und -methoden wenig informiert", erklärt Hubert Ranke. Er ist Energieberater der E.ON Thüringer Energie und gibt den Kuhaupts Empfehlungen in Sachen Energieeffizienz. "Ist ein Haus nicht gut gedämmt, löst sich ein großer Teil der Wärmeenergie sprichwörtlich in Luft auf." Das kostet viel Energie. Denn dort, wo kalte Luft eindringt, kühlt das Mauerwerk aus. Energielecks sind aber mit bloßem Auge nicht leicht zu finden - ein Blower-Door-Test hilft, verborgene Undichtigkeiten der Gebäudehülle aufzuspüren.
Auf Durchzug schalten
Dafür spannt Lutz Weidner in die Eingangstür der Kuhaupts einen luftdichten Rahmen mit Gebläse ein. Ein Ventilator erzeugt zunächst einen Unter-, anschließend einen Überdruck von 50 Pascal im Haus, was der Windstärke fünf entspricht. Dafür schließt Claudia Kuhaupt alle Fenster, es zieht jetzt im Haus. "Wir wollen testen, wie oft pro Stunde die Luft eines Raumes komplett ausgetauscht wird. Normalerweise sollte das nicht mehr als dreimal passieren", erklärt Hubert Ranke die Vorgehensweise. Claudia Kuhaupt zieht sich rasch eine Jacke an und schaut auf den Computer, der die Luftwechselzahl berechnet. 3,5 - 4 - bei 4,3 bleibt der Wert stehen.
Undichte Stelle kostete 400 Euro im Jahr
Irgendwo im Haus zieht es, so viel steht fest. Aufgrund dieser Undichtigkeiten steigt die Heizkostenrechnung der Kuhaupts um 400 Euro pro Jahr. 120 Euro würden sie sparen, könnte die Luftwechselzahl auf 3 reduziert werden. Auch das hat der Computer berechnet, für die Familie Kuhaupt nur von Vorteil. Denn für den Grad der Luftdichtigkeit gelten verbindliche Grenzwerte, die seit 2002 in der Energieeinsparverordnung (EnEV) vorgeschrieben sind.
Selbst Hand anlegen
Gemeinsam machen sich Claudia Kuhaupt und die Energieberater auf die Suche nach undichten Stellen im Haus. Schnell werden sie fündig. Die Kellertür, eine historische, schöne Holztür, ist der erste Übeltäter. Lutz Weidner klebt die Tür mit Tesafilm ab, um zu testen, wie sich die Luftwechselzahl ändert. Und wieder wird auf Durchzug geschaltet. Diesmal bleibt der Wert bei 3,84 stehen, ein enormer Fortschritt. "Besonders die Kellertür muss dicht sein, denn dort sitzt die Kälte", erklärt Hubert Ranke. Die Energieexperten stehen auch Wissensdurstigen im EnergieHaus der E.ON Thüringer Energie beratend zur Seite. Sie legen besonders viel Wert auf eine ganzheitliche Beratung. "Uns ist es wichtig zu zeigen, dass jeder schon mit wenigen Mitteln Energie sparen kann", erklärt Hubert Ranke.
Viele kleine Energielecks
Das ist auch Familie Kuhaupt an diesem Tag bewusst geworden. Durch die Toilettenspülungskästen zieht Luft, und auch die Bodenluke hat sich als undicht erwiesen. "Die können wir mit Gummi abdichten", beschreibt Claudia Kuhaupt die erste eigene Energiesparmaßnahme. Die Energielecksuche ist jetzt beendet. Sie hat viele neue Ideen geliefert, wie die Kuhaupts künftig nicht nur Energie sparen, sondern auch ihren Geldbeutel schonen können.
Auch im nächsten Heft geht Familie Kuhaupt wieder auf Energiekurs und wird das EnergieHaus der E.ON Thüringer Energie in Erfurt besuchen.